Mittwoch, 29. Juni 2022

Auf der Leine

Die Farbexplosionen vom letzten Post habe ich inzwischen weiter mit Acrylfarben und Ölpastellkreiden bearbeitet und die großen Bögen dann zerschnitten, denn daraus soll ja ein Künstlerbuch werden. Zum "Durchtrocknen" mussten die einzelnen Blätter dann erst einmal auf die Leine.  

Ich plane die Blätter nicht akribisch, sondern überlasse mich, wenn solche Seiten entstehen, ganz Formen und Farben. Auch beim Zuschneiden messe ich einfach ab und setze den Cutter an, ohne darauf zu achten, was sich wo auf dem Bogen befindet. 

Eine fertige Seite entlockte mir ein ganz besonderes Lächeln. 

Und ich weiß nicht mal, warum. Ich weiß nur, dass irgendetwas in mir anfängt zu klingen und dass ich so eine "Komposition" niemals bewusst hätte gestalten können. 

Was mich im Moment neben der Farbigkeit am meisten interessiert sind Strukturen und Farbschichtungen bzw. -übergänge. 


 
Joschi entwickelt sich derweil prächtig und wächst zu einem hübschen, eleganten Katerchen heran. 



Freitag, 10. Juni 2022

Wilde Abstraktionen

In den letzten Wochen sind ein paar wilde Abstraktionen auf Papier entstanden (50 x 70cm). Zuerst habe ich die Bögen mit Gesso grundiert, denn ich liebe leicht rauen Malgrund, der dann entsteht. Und dann habe ich mich mit Acrylfarben, Kratzwerkzeugen und Ölpastellkreiden ausgetobt.



Ich bin noch unentschieden, ob ich sie an die Wand hänge oder die Rückseiten ebenfalls bemale und ein Künstlerbuch daraus binde. 

Vielleicht zerschneide ich sie auch, denn ich finde auch einzelne Ausschnitte sehr ausdrucksstark, und ich bin ja ein großer Fan des kleinen Formats ... Vielleicht tauchen sie also als Postkarten wieder irgendwo auf.






Donnerstag, 12. Mai 2022

Alles neu im Mai

Mein geliebter Bulli ist noch einmal über den TÜV gekommen. Ich bin selig. Als ich ihn vor zehn Jahren gekauft habe, dachte ich: Ach, wenn ich damit noch ein, zwei Jahre ein bisschen herumfahren kann ... Ich hatte ihn damals innen renoviert, aber nach zehn Jahren und 80.000 Kilometern war der Lack ab, im wahrsten Sinne des Wortes. Also bin ich noch mal ran. Und mit dem Ergebnis bin ich mehr als glücklich.

Die Schränke wurden alle innen und außen frisch lackiert, die Türen haben eine andere Farbe bekommen und bis auf zwei auch neue Griffe, denn die über dreißig Jahre alten Plastikschließen hatten zum größten Teil den Geist aufgegeben. Jetzt sind Magnetschnäpper dran, die wunderbar funktionieren.  Der Tisch wurde frisch lackiert. Und für die offenen Fächer habe ich zwei passende Kästen gebaut.

Hinten über dem Bett habe ich einen Schrank rausgenommen und dort auch Dämmung unters Dach geklebt und einen neuen Himmel gebaut, für den mir ein freundlicher Geist sogar ein Stück Kunstleder spendiert hat (SMILE!). Eine Lichterkette mit Solarmodul sorgt für das passende Ambiente.

Ein Spielteppich mit Straßen und diversen Landschaften ziert jetzt den Boden. Wie passend! 

Joschi studiert schon mal den Straßenatlas.

Und kundschaftet ein paar Schränke aus sowie den drehbaren Beifahrersitz. 



Ja, ich denke, das kann funktionieren. Am Wochenende sind wir wieder unterwegs.




Montag, 21. März 2022

In Leipzig oder Leipzig liest

In Leipzig war am Wochenende trotz Absage der "großen" Buchmesse sehr viel Literatur. Und wir waren dabei. Ja, wir. Nicht nur ich allein, sondern auch Joschi. 


Nach 477 Autobahnkilometern bei schönstem Abendsonnenschein in Leipzig auf dem Campingplatz angekommen. Der Kleine kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. 

Am Samstag haben die Verlegerin Britta Jürgs und ich auf der Popup-Buchmesse das soeben erschienene Reisebüchlein "Durch Connemara" von Somerville & Ross vorgestellt, das ich übersetzt habe. Hier findet sich ein ganz schöner Bericht mit Foto.  Es war eine tolle Gelegenheit, einigen Enthusiasten diesen fantastischen Text (aus dem Jahre 1893!) ein wenig näherzubringen. 

 

Ich fand die Gelegenheit absolut gut geeignet, einmal auszuprobieren, ob der Kater reisetauglich ist. Zwei Tage, eine Nacht, wenn's ganz schrecklich wird, dachte ich vorher, lassen wir es eben. Doch ganz im Gegenteil, nachdem Katerchen Joschi sich auf dem Hinweg auf ungefähr der Hälfte der Strecke mit Zähnen und Krallen und großer Entschlusskraft aus dem (wirklich großen und sogar für Hunde geeigneten) Welpenauslauf befreit hatte, den ich ihm mit Kuschelhöhle, Kratzbrett, Katzenklo, Futter- und Wassernäpfchen und ein bisschen Spielzeug wirklich sehr schön eingerichtet hatte, schlief er die restliche Fahrt auf meinem Schoß. Und die Zeit während der Lesung schlief er im Bulli im Schrank auf meinen T-Shirts. Also, einfach cool. Ich bin begeistert.

(Foto Britta Jürgs)

Ja, Kleiner, jetzt machen wir uns wieder auf den Heimweg. Test bestanden, würde ich sagen das Katerchen ist absolut reisetauglich. Abenteuer, wir kommen!






 



Donnerstag, 24. Februar 2022

Joschi

 Vor zehn Tagen hat Joschi hier Einzug gehalten, ein Hauch von einem Katerchen, langbeinig und grazil, der jedes Gramm, das er zunimmt, in die Länge seiner Beine und seines Oberkörpers steckt. 

Ein echter Racker, der aufpassen muss, dass ich ihn nicht doch noch in Rambo umtaufe. 

Ich glaube, man ahnt es, sowohl den Rambo als auch die Bein- und Körperlänge. Herzlich willkommen, lieber Joschua van der Belum. PS Bald gibt's hier auch wieder Kunst!



Sonntag, 19. Dezember 2021

Buttonhole mit Landschaft

 Mir fiel gestern auf, dass ich das Buch, das ich aus den Landschaftsschnipseln vom Oktober gebunden habe, hier noch gar nicht gezeigt habe. Oh-oh. Das möchte ich gern schleunigst nachholen. 

Außen im schlichten schwarzen Buchleinengewand mit rotem Faden, innen bunt. 


Den schnipselbeklebten  Karton habe ich jeweils mittig gefaltet und einzeln vernäht.Und so sieht es innen aus, wenn zwei Landschaften aneinanderstoßen.




Wilde Berge, Hügel, Sand, Flüsse und Fjorde, Himmel in verschiedenen Blautönen evozieren Hitze, Kälte, Wind, sengende Sonne, Stille, Leere, wohltuende Einsamkeit. Auch Verlorenheit? 




 




Samstag, 18. Dezember 2021

Schönen vierten Advent!

 

In den letzten Wochen habe ich viele Hefte und Bücher gebunden, und ich war total fasziniert davon, wie unterschiedlich sich das Papier verhält, je nachdem, wie dick es ist, ob es gestrichen ist oder rauh und so weiter. Mehr kann ich heute natürlich noch nicht zeigen ... 

Heute sieht mein Esstisch so aus: 

Das aufgeschlagene Buch ist "Bird by Bird" von Anne Lamott (ganz herzliche Grüße an meine Namensvetterin!) Und jetzt folgt daraus ein Zitat, das ich mir heute Morgen angestrichen habe, nachdem ich ein bisschen zur Weihnachtsmusik von Sting durchs Wohnzimmer getanzt war: 

Anne Lamott spricht vom Schreiben, aber was sie sagt, trifft auf alle kreativen, künstlerischen Tätigkeiten zu: Sichtbar sein, gehört werden, dem Leben einen Sinn abgewinnen, aufwachen, wachsen und dazugehören sind absolut zentral für ein "gelungenes" (ein gutes, ein erfülltes, ein zufriedenes ...) Leben. Mich hat es am Anfang oft richtig erschüttert, wenn bei der Kunst - beim Kritzeln, Malen, Drucken, Collagieren - etwas aus mir herauskam, von dem ich gar nicht gewusst hatte, dass es in mir steckte. Wow, dachte ich, das ist ja toll. Da hast du etwas über dich erfahren, was dir vorher nicht so klar war. Und jetzt mache ich mich auf die spannende Entdeckungsreise, ob das auch beim Schreiben so sein wird. Und lasse mich auf dem Weg von Anne Lamott an die Hand nehmen. Eine sehr gute Reisebegleiterin.


 So sieht das aus, wenn Gold- und Kupfertröpfchen tanzen ... Schönen vierten Advent!

Samstag, 6. November 2021

Leporello-Dummies

 Für ein anspruchsvolles Publikationsvorhaben eines Freunds habe ich ein paar Leporello-Dummies gebastelt, um zu schauen, welche Umschlagvariante sich wohl bei der buchbinderischen Herstellung am besten umsetzen lässt. Das hat mir total viel Spaß gemacht.

1                          2                                   3                         4                                5

So sehen sie von außen aus, und da verraten sie noch nicht viel. Aber wenn man sie dann aufstellt und auseinanderzieht, entfaltet sich im wortwörtlichen Sinne ihr sehr unterschiedliches Innenleben. Das nächste Foto zeigt Nr. 5, das drei Deckel braucht, da die einzelnen Seiten von einer mittleren Seite aus rechts und links abwechselnd nach innen gelegt werden.

Das nächste Foto zeigt Nr. 1, da wird der Leporellostreifen vorn am Umschlag festgeklebt (rechts im Bild) und hinten (links im Bild) einfach in den umgeschlagenen Umschlag gesteckt, sodass man das Innenleben (den Leporellostreifen) in voller Länge auseinanderziehen kann. 

Darum ging es überhaupt. Man soll es als Buch ins Regal stellen, aus dem Regal nehmen und darin blättern können, aber man soll es auch ausziehen und in voller Länge präsentieren können, z.B. an die Wand hängen.

Hier folgt noch eine Detailaufnahme von Nr. 4 (aufgestellt), das von außen aussieht wie ein ganz normales Buch, bei dem sich aber, wenn man es aufschlägt, der Leporellostreifen links und rechts rausziehen lässt. 

Nr. 2 und Nr. 3 sind einfache Leporellos im Zickzack mit vorne und hinten einem Deckel, Nr. 2 mit einem Karton, der mit Papier bezogen ist und am Rand ringsum 1mm übersteht, Nr. 3 mit einem dünneren Karton im selben Format wie das Leporello selbst. 

Spannend war bei dem ganzen Prozess, dass ich beim Basteln auch noch auf neue Lösungen gekommen bin, die mir vorher nicht in den Sinn gekommen waren. Die Hände wissen manchmal etwas, was der Kopf (noch) nicht weiß. Sag ich nicht immer, Inspiration entsteht beim Tun? Ja, Kreativität wächst beim Machen, definitiv. Also, einfach mal machen.

 

Montag, 11. Oktober 2021

Landschaftsschnipsel

Es gibt immer noch reichlich Schnipsel, und ich kriege nicht genug davon, daraus Landschaften zu kleben. Farbverläufe und Schichtungen wie mit dem Gelatinedruck bekomme ich mit Pinsel oder Stift einfach nicht hin. Die Übergänge sind subtil, die Flächen unglaublich lebendig.


 So entstehen weitere Postkarten: 

Rohmaterial

Postkarten
 
Aber es sind in den letzten Wochen auch etliche Seiten für ein Künstlerbuch entstanden:  
 
 
Sie haben das Format 21 x 46 cm und sind bereits von beiden Seiten beklebt. 



 Ich kann's kaum erwarten, sie zu binden. Aber erst mal muss ich zurück an den Schreibtisch.





Dienstag, 14. September 2021

goldener Morgen und Abschied

 Ich war ein bisschen verreist und hatte für zwei Tage den wunderbarsten Bulli-Stellplatz, den ich mir nur vorstellen konnte. 

Es war so still dort, und der Blick konnte weit übers Wasser schweifen, die Ohren freuten sich über das Rauschen des Winds im Schilf und die Schreie der Vögel. 

Einen Sonnenaufgang wie an diesem Morgen habe ich lange nicht mehr erlebt. Die ganze Welt war in goldenes Licht getaucht. 






Und ein wenig später breitete der Kormoran die Flügel für mich aus ... 

Die Stille hat mir gut getan. Schon Anfang August musste ich Abschied von Lili nehmen, die nachdem sie sich gerade von der ganzen Tortur mit drei Kreuzband-OPs erholt hatte, ein halbes Jahr tapfer gegen einen Tumor gekämpft hat. Eins der letzten Fotos von ihr, fünf Tage vor ihrem Tod.

10 Jahre und einen Tag ist sie alt geworden, die kleine Nervensäge. Liebchen, ich vermiss Dich  ganz schrecklich.

Und ich bin das erste Mal seit fünfzehn Jahren ganz ohne Katze(n). Es war sehr still im Haus in den letzten sechs Wochen. Hier noch eine kleine Erinnerung an die ersten Wochen mit den beiden Stupsnasen. Das erste Foto ist von November 2011, da waren sie gerade zu mir gekommen, Lili war 4 Monate und Leo 3,5 Monate alt. Und das zweite Foto vom März 2012. Wir hatten eine tolle Zeit, ich hätte mir keine besseren Gefährten wünschen können. Danke, Ihr Fellnasen!

 

 Tschüß!