Sonntag, 23. Juni 2019

Farbspiel-Farbspiele-Farbspielereien

Anfang des Monats ist meine Übersetzung eines Buches erschienen, das ich gern hier vorstellen möchte - Eva Magill-Oliver "Wege zum ausdrucksstarken Malen. 18 kreative Erkundungen in Farbe, Komposition, Abstraktion und Mixed Media".


Die Autorin arbeitet recht häufig mit flüssigen Acrylfarben, ein Medium, mit dem ich bis dahin überhaupt keine Erfahrungen hatte. Die Firma Lascaux war so freundlich, mir einige Aquacryl(TM)-Farben zur Verfügung zu stellen, um das, was Eva Magill Oliver in ihrem Buch zeigt, auszuprobieren.


Als Erstes habe ich mir das Kapitel "Negativraum" vorgenommen: Farbige Flächen auf einen Malgrund setzen und dann mit Weiß (oder einer anderen Farbe) abdecken und nur die spannenden Stellen offen lassen, um damit weiterzuarbeiten.

Acrylfarben und wasservermalbare Ölpastelle auf Leinwand
Das ist ganz nach meinem Geschmack: Schichten.

Detail
Solche Stellen mag ich besonders, denn da hat das Material (in Form der grünen Farbe) mitgespielt, indem sich die Pigmente beim Trocknen am Rand verdichtet haben.


Gleiches Verfahren auf Papier. Auf Ölpastellkreiden verzichte ich wirklich nur ungern.

Was mir bei Magill-Oliver besonders gut gefällt, ist die Reduziertheit ihrer Bilder, ihre Klarheit und Stille. Bei mir ist immer sehr viel Gewusel. Im Reduzieren von Formen, Farben, Linien und Flächen steckt, finde ich, ein Vertrauen auf (und vielleicht auch ein Wissen um) die besondere Wirkung weniger Elemente. Das ist für mich persönlich ein ganz wunderbarer Impuls.

Dann habe ich noch ein bisschen mit Transparenzen gespielt:






Dabei wird deutlich, wie pigmentstark diese flüssigen Farben sind. Das gibt echte Wow-Effekte.

Der Tag im Atelier endete mit zwei farbigen Flächen, die ich heute Morgen gleich rahmen musste (hätte ich sie mal vorher fotografiert ...).




Ich danke Lascaux für die Möglichkeit, diese tollen Farben auszuprobieren. Mir fällt ganz vieles ein, was ich damit noch machen kann.

Unter allen, die bis hierher durchgehalten haben und mir bis zum 30.6. einen Kommentar schreiben, verlose ich zwei der genannten Bücher.

Und aus der Plastiktischdecke, die unter dem Ganzen auf dem Ateliertisch liegt, wird bestimmt irgendwann mal ein Umschlag für ein Skizzenbuch.




Mittwoch, 12. Juni 2019

Aus dem Nest gefallen

Für die Ateliertage, aber natürlich auch zur eigenen Freude, habe ich im Garten eine Skulptur aus Ästen und Zweigen gebaut.





Sie steht in einem Bereich vor dem Haus, in dem sich in diesem Frühjahr die Hornveilchen selbstständig gemacht haben und den ich deswegen nicht gemäht habe. Ein bisschen Klatschmohn und ein paar Kornblumen haben sich auch noch dazugesellt.



Sonntag, 2. Juni 2019

Alles fließt - panta rhei

Gestern wurde das Projekt See&Art, von dem ich hier schon kurz berichtet habe, mit 60 Kunstwerken rund um den Bordesholmer See eröffnet.

Da die Pfosten, die wir zur Markierung der Kunst-Stellen schon vor einigen Wochen eingehauen hatten, von Anfang an immer wieder rausgerissen, in den See geworfen, zerstört wurden (und auch Kunstwerke, die im Laufe der Woche schon aufgebaut / installiert wurden, beschädigt oder gestohlen wurden), war mir klar, dass ich für die 3,5 Monate Ausstellungsdauer dort kein kleines, filigranes Land-Art-Projekt realisieren kann, sondern dass es etwas werden soll, was der Zerstörungswut ein bisschen Widerstand leistet oder - besser noch - gar keine Angriffsfläche bietet.

Oben neben dem morschen Baumstumpf fängt es an und schlängelt sich bis zum Ufer
"Meine" Stelle zeichnet sich durch einen kleinen Wasserlauf aus, der aus dem Hang in den See fließt oder, je nach Bodenfeuchtigkeit, sickert.

Das habe ich aufgegriffen und mit Baumstämmen einen Fluss nachgebildet. Er fängt oberhalb des Weges im Hang hinter einem riesigen morschen Baumstumpf an, fließt etliche Meter den Hang hinunter und setzt sich unterhalb des Weges schlängelnd fort. Im Uferbereich, der sich wie eine flache Halbinsel in den See schiebt, verzweigt sich mein Fluss zu einem Delta.

Am Freitag und am Samstag habe ich also am Bordesholmer See geschuftet. Es gibt in meinem Körper heute keinen Muskel, keine Sehne und kein Gelenk, das nicht weh tut. Aber ich habe zwei Tage bei schönem Wetter im Wald verbracht und es war wunderschön und ich war glücklich. Ich hatte die Erlaubnis bekommen Baumstämme, die beim Freischneiden von Wegen gefällt worden waren und im Unterholz lagen, zu verwenden. Manche waren aber dennoch zu lang und mussten zurechtgestutzt, sprich (mit der Handsäge!) gesägt, werden.

Das Land-Art-Werkzeug
Um das Ganze etwas zerstörungsresistenter zu machen, habe ich die Stämme halb in die Erde eingebettet. Folglich musste ich auch ziemlich viel graben. Mit der Sackkarre habe ich die schweren Stammstücke den Hang hinaufgezogen.

So sah es zwischendurch aus

Und so am Ende oberhalb vom Weg
So geht's unterhalb vom Weg weiter



"Delta" im Uferbereich
Nahe des Ufers ließen sich die Stämme/Äste nicht mehr in die Erde einbetten, weil dort zu viele Oberflächenwurzeln sind, die, wie ich finde, die menschgemachte Verästelung sehr schön spiegeln.

Verästelung in und über der Erde
panta rhei – alles fließt wird dem griechischen Philosophen Heraklit zugeschrieben, der in den sog. „Flussfragmenten“ das Sein mit einem Fluss vergleicht: 

„Wer in denselben Fluss steigt, dem fließt anderes und wieder anderes Wasser zu.“ 
„Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“
„Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.“

Und was denke ich mir dabei? So einiges, was ich im Zusammenhang mit Kunst ja eher selten laut tue:

Alles, auch wir selbst, fließt, nichts bleibt; alles ist im ewige Werden und Wandeln begriffen. Selbst die Erde fließt, der vermeintlich feste Boden, auf dem wir stehen: Der Vulkanismus treibt die Bewegung der Erdplatten an, Gebirge drücken sich hoch. Wind, Regen, Frost führen zu Erosion, die die Gebirge wieder zum Fließen bringt (Stichwort schwindender Permafrost), wieder abträgt. Ein ständiges Hin und Her im Spielfeld der Kräfte. 

Ich bin in der Vulkaneifel geboren, einer von Lavaströmen und Vulkanausbrüchen geprägten Landschaft (mit ihrem - da, wo ich herkomme - schartigen, blasigen roten Vulkangestein). Die Seen heißen dort Maare, und das Pulvermaar, mein dortiges Schwimmgewässer, ist beeindruckende 72 Meter tief. Ich komme also aus dem Feuer, denke ich gern. Nun ist die Holsteinische Schweiz meine Wahlheimat, geprägt von Eiszeiten und Gletschern (geschliffener Kiesel), eine Moränenlandschaft. Unzählige Seen und links und rechts nicht weit zum Meer. Der See vor meiner Haustür, in dem ich jetzt schwimme, ist nur 8 Meter tief. Ich bin im Wasserland angekommen.

Bei allem Fließen und Wandeln sind wir Menschen meistens ganz froh, wenn sich nicht zu viel auf einmal verändert, wir suchen gern Sicherheit im Statischen. Wie oft denken oder sagen wir, wenn es uns gut geht: Ach, so könnt’s jetzt bleiben. Doch das funktioniert nicht.

Die moderne Welt hetzt: Immer einen Schritt voraus, immer "schnell, schnell", immer mehrere Dinge gleichzeitig am Laufen. Wie viele Menschen habe ich in den zwei Tagen im Wald gesehen, die mit Walkman auf den Ohren um den See joggen oder mit dem Handy vor der Nase um den See spazieren gehen? Sehr viele, Kinder wie Erwachsene. Viel zu viele, für meinen Geschmack.

Die hohe Kunst ist wohl die, im Fluss zu bleiben, sich dem Strom der Zeiten und Dinge, dem Wandel, hinzugeben und weder vorauszueilen (also zu hetzen), noch sich dagegen zu stemmen. Die hohe Kunst ist wohl die, sich vom Fluss tragen lassen.  

Puh, so viel schreibe ich ja normalerweise nicht ... 

Ein dickes Dankeschön an die Organisatoren dafür, dass ich die Gelegenheit bekam, so etwas Großes zu realisieren. Ein ebenso dickes Dankeschön an den Förster, der mir grünes Licht gegeben hat. Und an Doris, die mir am Samstag beim Feinschliff geholfen und geharkt hat wie eine Weltmeisterin.

Freitag, 24. Mai 2019

Überraschung zum World Collage Day und was sonst noch so los ist

Ein bisschen verspätet zeige ich noch überraschende Post zum World Collage Day (am 11. Mai), die Elke mir geschickt hat.


Eine traumhaft schöne Komposition in Grau, Rot und Gold. Herzlichen Dank, liebe Elke, das war eine tolle Überraschung.

Ich habe gerade das Gefühl, mit allem hinterherzuhinken. Dabei werfen große Dinge ihre Schatten voraus: Am 1.6. wird in Bordesholm eine Ausstellung mit 60 Kunstwerken rund um den Bordesholmer See eröffnet:


Dafür habe ich ein recht großes Land-Art-Projekt im Sinn, das Ende nächster Woche realisiert wird. Und zwar hier:



Ein wunderschöner Platz mit flach auslaufendem Uferbereich, der sich ein wenig in den See schiebt. 

Am Wochenende danach (Pfingsten) sind dann auch schon wieder Ateliertage:


Mehr Infos gibt's hier. Mein Atelier ist am Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Und mitten rein hat sich meine Kleine einen Kreuzbandriss zugezogen. Vor ein paar Tagen hat sie mir noch gut auf Gelatinedrucke (unten in dem Päckchen liegen die schönen Geisterdrucke auf Packpapier) und gepresste Pflanzenteile aufgepasst:


Sie be-sitzt die Kunst halt lieber, als sie zu betrachten. Das kenne ich ja schon. Jetzt rollt sie sich schmerzmittelbeduselt auf dem Stuhl zusammen und kann das verletzte Bein nicht mehr richtig anziehen:


Heute wird sie operiert. Liebstes Lilischnäuzchen, ich drück Dir die Daumen!

Donnerstag, 23. Mai 2019

Frühlingspost-Finale


Es wird Zeit, die zweite Hälfte der Frühlingspost zu zeigen. Vier mal Kleisterpapierpost ist in den letzten Wochen noch eingetrudelt, eine schöner als die andere. Jetzt ist die tolle Aktion leider schon wieder zu Ende.




Marinas Karten und Umschläge haben eine tolle Haptik, und der weiße Umschlag vorn erinnert mich an die mit Musterwalzen bedruckten Wände alter Bauernhäuser.


Karen hat die Entstehung ihrer zarten Papiere schon hier gezeigt. Der Piepmatz ist natürlich der absolute Star.


Petra (ohne Blog) hat ihre Drucke mit Stiften nachbearbeitet. Wie sie wohl das Muster auf dem Umschlag links unten hinbekommen hat?


Bei Lutigards Karten gefällt mir besonders der rote Umschlag mit den Punkten.

Beim Arrangieren und Fotografieren ist mir bei diesen vier Sets die sehr unterschiedliche Haptik besonders aufgefallen, manche dick und pastos, manche zart und transparent. Manche matt, andere glänzend. Sehr spannend.

Das war wieder eine ganz tolle Aktion, für die Tabea und Michaela vom Post-Kunst-Werk-Blog noch einmal mein herzlicher Dank gilt. Und allen, die mitgemacht haben sowieso. Ich werde definitiv weiterkleistern.

Montag, 13. Mai 2019

Pflanzendruck

Ich drucke unglaublich gern mit Pflanzenteilen. Und nachdem ich am Wochenende einen Gelatinedruck-Workshop angeleitet habe, hat es mich in den Fingern gejuckt, ein paar Drucke nachzulegen.


Kleine Formate, klar. Den türkisfarbenen Untergrund habe ich mit Noppenfolie überdruckt, um Strukturen zu erzeugen.



Ich weiß gar nicht, wie man die zweiten Drucke nennt, wennman nach dem ersten Druck die Schablone (in diesem Fall die gepressten Blätter) abnimmt und mit dem Rest Farbe weiterdruckt, der noch auf der Gelatineplatte ist. ich nennen sie Schattendrucke.


Also, Schattendrucke auf Packpapier. Die Brombeerblätter zeichnen sich besonders schön ab.


Und hier noch der fröhliche Rest in Form von Farbschnipseln, von der Palette abgeschabt.


Donnerstag, 9. Mai 2019

Und noch ein Buch

Gelatinedruck auf schwarzem Papier führte vor kurzem zu ein paar unerwartet interessanten Ergebnissen, aus denen ich einfach ein Buch binden musste.


Auch dieses in der kürzlich erlernten Technik. Oben und unten habe ich winzige Halbmonde ausgestanzt, trotzdem laufen meine Schnüre noch nicht so regelmäßig und schön wie bei Eva. Egal, ich übe noch. Der Umschlag ist mit zitronengelbem Kleisterpapier bezogen.


Das Papier im Deckel innen ist ebenfalls gekleistert, aber auf Schwarz. Und hier noch ein paar Seiten:






Das spiegelt und reflektiert, nimmt in Farben und Strukturen aufeinander Bezug, dass mir das Herz hüpft.

Freitag, 3. Mai 2019

Bücher

Neulich in Mainz hat Eva mir die wunderbare australian-piano-hinge-Bindung gezeigt. Die habe ich jetzt mal umgesetzt:


Außenseite oder Rückseite

Innenseite

Der schwarze Streifen, der ebenfalls auf beiden Seiten bedruckt ist, läuft mit und wird auf der Innenseite durch einen Schlitz in den Talfalten durchgesteckt. Bei mir in diesem Beispiel 4,5 cm (bei einer Breite der Seiten von ca. 8,7 cm). Damit der Streifen nicht rausrutscht, werden von oben Kartonstücke reingesteckt. Die stabilisieren das ganze Konstrukt.


Liebe Eva, ich habe sehr viel gemessen, überlegt und gerechnet und mich trotz Taschenrechner und ausführlicher Niederschriften und Schemazeichnungen zwei Mal verrechnet und falsch abgeschnitten, bis ich wusste, wie lang der schwarze Streifen im Vergleich zum grün/orangefarbenen Streifen sein muss ... Danke, dass Du mir diese schöne Bindung gezeigt hast.


Ein zweites Büchlein entstand in den letzten Wochen aus den Blumencollagen, die ich zum Teil hier und hier schon mal gezeigt habe. 


Das Umschlagpapier habe ich mit Kleisterfarbe gestaltet und anschließend mit Holzleim kaschiert. Mit Absicht habe ich die aus alten Büchern herausgerissenen Seiten, auf die ich die Blumencollagen geklebt habe, oben nicht beschnitten. Ich finde, es passt so ganz gut zum Charakter des Büchleins.